|
VfL-Frauensparte sucht neues Führungspersonal
 Fußball: Ottmar Schneider gibt das Spielleiter-Amt nach anderthalb Jahren bereits wieder ab
Sandra Orban (links): In der Landesliga droht den VfL-Frauen wieder eine Zitterpartie GB-Foto (Archiv): Holom
Anderthalb Jahre lang, nach dem Abschied des umtriebigen Frauenfußball-Funktionärs Wolfgang Prokopp, versuchte Ottmar Schneider beim VfL Herrenberg die Sparte neu aufzustellen. Jetzt muss der Oberjesinger aus beruflichen Gründen kürzertreten. Andreas Gauss Mit mittlerweile zwei Aktiven- und drei Jugendteams hat der weibliche Bereich beim Landesligaclub eine stattliche Größe erreicht. Ottmar Schneider hat den Aufschwung zunächst als Vater - seine Tochter Tina steht bei den Aktiven im Tor - und Zuschauer hautnah mitbekommen. Mit seiner Erfahrung war schnell klar, dass er nach dem Abgang von Prokopp, er hörte aus familiären Gründen auf, im Frühjahr 2011 eine Rolle als Spielleiter oder Koordinator im weiblichen Bereich übernehmen könnte. Nun kam für den 60-Jährigen aber noch mal eine berufliche Herausforderung hinzu, so dass Schneider vor allem an Werktagen in den Abendstunden gebunden ist: "Ich habe des Öfteren einen Elf-, Zwölf-Stunden-Tag." Und um Kontakt zu den Trainern und Spielerinnen zu halten, müsse man einfach unter der Woche ein- bis zweimal präsent sein. Bereits im Herbst hatte er Abteilungsleiter Rainer Braun und Markus Rühle, dem sportlichen Leiter, der auch den Frauenbereich mit einschließt, seinen bevorstehenden Abschied mitgeteilt: "So gut es geht, werde ich die Runde 2011/12 noch durchziehen." Bei der Suche nach neuem Führungspersonal im Frauenbereich will Schneider noch beratend tätig sein. Denn in den rund anderthalb Jahren, in denen er nun Verantwortung trug, war es ihm wichtig, dass die Grenzen zwischen Aktiven- und Jugendbereich einfach fließend sind. Dennoch könnte er sich vorstellen, dass die Rolle des Frauenkoordinators, der für beide Bereiche zuständig ist, von zwei Personen ausgeführt werden kann: "Wichtig ist allerdings, dass einer das Sagen hat." In einer ersten Stellungnahme meinte Markus Rühle: "Durch den Abgang von Ottmar Schneider entsteht schon ein Vakuum. Vor allem, weil er immer sehr sachlich aufgetreten ist. Zudem hatte er schon so lange Zeit Einblick in den Bereich." Aufgrund seiner "Nebentätigkeit" als Fördervereinsvorsitzender des Schwarzwaldclubs SC Neubulach, der ebenfalls eine rührige Frauenabteilung unterhält, kann Rühle die Problematik nachvollziehen: "Es ist nicht selten, dass in dem Frauenbereich oftmals alles an einer Person hängt." Von daher könnte sich Rühle vorstellen, die drei Frauentrainer Andreas Wagner (Frauen I), Steffen Blaich (Frauen II) und der neue B-Mädchen-Coach Steve Henrich mehr in das Konzeptionelle einzubinden als bisher. Denn in dieser Richtung hat Ottmar Schneider schon vorgearbeitet. Vor allem hängt beim VfL Herrenberg viel von einer quantitativ erfolgreichen Jugendarbeit ab. Hat doch Schneider festgestellt, dass es im Aktivenbereich sehr schwierig ist, einzelne Spielerinnen zu bekommen: "Anders als bei den Männern spielt sich bei den Frauen mehr im Bereich einer Clique ab, manchmal wäre es besser, einige Spielerinnen im Paket zu holen." Ein besonderes Problem stellt allerdings die Spielklasse dar, da der VfL Herrenberg seit Jahren versucht, in der Landesliga Fuß zu fassen. Dem Wagner-Team als Aufsteiger droht als momentan Vorletzter wieder der sofortige Abstieg. So fällt es schwer, ehemalige Eigengewächse wie die Herrenbergerin Leonie Zerweck (beim Landesligisten SV Oberndorf) und Annika Beck (beim Landesligisten SV Eutingen) wieder ins Gäu zu lotsen. Zwei sportlich ambitionierte Talente im Alter von 16, 17 Jahren, die eben weiterhin höherklassig spielen wollen. Aufgrund der Sogwirkung, die der Frauen-Vorzeigeverein im Bezirk, der VfL Sindelfingen, entwickelt, werden die weiblichen Talente schon im D-Jugend-Alter nicht mehr vom VfL Herrenberg gehalten. Zudem legen Mädchen aus umliegenden Gäuclubs erst gar keinen Zwischenstopp in Herrenberg ein, sondern wechseln direkt nach Sindelfingen. Das größte Problem sieht Schneider aber darin, dass momentan der Club im C-Mädchen-Bereich nur ein Siebener-Team stellen kann: "So erfolgt die Umstellung aufs große Spielfeld erst in den Elfer-Teams der B-Mädchen. Das ist zu spät." Im von Schneider angeregten Konzept wäre es auch wichtig, dass der VfL Herrenberg für weibliche Talente in der E-Jugend zwei Angebote machen könnte: Entweder bei den Jungs mitspielen, weil das auf Dauer leistungsfördernder ist, oder in einer eigenen E-Mädchen-Mannschaft. Positiv stimmt ihn allerdings, dass sich mittlerweile zahlreiche aktive Spielerinnen als Betreuungskräfte in der Jugend einbringen. Geradezu Pionierarbeit hat Steve Henrich geleistet: Er hat es über eine Schule-Verein-Kooperation geschafft, dass über 14 Spielerinnen im C- und B-Mädchen-Alter als Quersteiger nun Fußball beim VfL spielen. Deshalb hat Ottmar Schneider berechtigte Hoffnung, dass der Frauenbereich weiter vorankommt. Dabei setzt er auf Rainer Braun und Markus Rühle: "Beide belassen es nicht nur beim Reden, sie nehmen die Frauen als integralen Bestandteil der Abteilung auch ernst."

|